In den letzten 20 Jahren hat sich viel verändert:
Professionalisierung, Öffnung
Weiterentwicklung
Unsere Vorgeschichte

1981
Pneumocystis Pneumonia — Los Angeles
Am 5. Juni 1981 veröffentlicht die US‑Gesundheitsbehörde einen kurzen Bericht über fünf junge, zuvor gesunde Männer in Los Angeles – alle schwul, alle schwer krank. Sie leiden an einer extrem seltenen Lungenentzündung, die normalerweise nur bei Menschen mit massiv geschwächtem Immunsystem vorkommt. Zwei der Männer sind bereits verstorben, die anderen sterben kurz darauf. Zusätzlich zeigen sie ungewöhnliche weitere Infektionen, die auf eine tiefgreifende Immunschwäche hinweisen. Was zu diesem Zeitpunkt noch namenlos ist, entpuppt sich als Beginn der weltweiten HIV/Aids‑Epidemie – ein Moment, der auch Zürich und die Schweiz nachhaltig prägt. Aus der Krise entstehen neue Formen von Solidarität, Aktivismus und Prävention. Und viele Jahre später, 2006, führt genau diese Erfahrung zur Gründung des Checkpoint Zürich: ein Ort, der bis heute für niederschwellige Gesundheitsversorgung, Community‑Nähe und Empowerment steht.
1982
Aids
Im Jahr 1982 geben US‑Gesundheitsbehörden der bis dahin rätselhaften Immunschwächeerkrankung den Namen «AIDS» – kurz für Acquired Immunodeficiency Syndrome. Die Namensgebung ist ein wichtiger Schritt, um das Krankheitsbild medizinisch einzuordnen und weltweit einheitlich zu benennen. Damit beginnt auch die systematische Forschung und Erfassung der Epidemie.
«Schwulenseuche»
In den frühen 1980er‑Jahren wird AIDS von vielen Medien und Teilen der Gesellschaft als «Schwulenseuche» diffamiert. Diese Zuschreibung trifft schwule Männer besonders hart: Sie sind nicht nur mit einer neuen, tödlichen Krankheit konfrontiert, sondern werden gleichzeitig massiv stigmatisiert und gesellschaftlich ausgegrenzt. Statt medizinisch zu handeln, wird moralisiert – und genau das erschwert Prävention, verzögert Aufklärung und verschärft das Leid vieler Betroffener.
Doch aus dieser Zeit erwächst auch Widerstand. Aktivist*innen, Community‑Gruppen und Organisationen machen unmissverständlich klar: HIV betrifft Menschen – unabhängig von sexueller Orientierung, Identität oder Lebensweise.
1983
Zahlreiche Menschen, darunter viele Homosexuelle, siechen qualvoll und langsam dahin – bis zum Tod. Aussichten auf Besserung gibt es keine. Nur gegen einzelne Symptome stehen gewisse Medikamente und Behandlungen zur Verfügung. Die Freiwilligen wissen kaum etwas über mögliche Ansteckungsgefahren bei der Betreuung. Dass umgekehrt Besucher*innen und Helfende eine grössere Gefahr für die Kranken darstellen, setzt sich hingegen rasch als Erkenntnis durch.
«Strafe Gottes»
In konservativ-religiösen Kreisen wird AIDS in den 1980er-Jahren oft als „Strafe Gottes“ bezeichnet – eine angeblich göttliche Vergeltung für Homosexualität oder Drogenkonsum. Solche Aussagen verfestigen Vorurteile, nähren Angst und Schuld und erschwerten Betroffenen den Zugang zu Hilfe. Diese moralische Verurteilung verhindert lange eine sachliche Auseinandersetzung mit der Epidemie. Menschen werden nicht nur krank, sondern zugleich entmenschlicht – ein tragisches Kapitel im Umgang mit HIV/AIDS.
Erster Aids-Fall in der Schweiz
1983 wurde der erste Aids-Patient in der Schweiz dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) gemeldet. Die neue Krankheit war zu diesem Zeitpunkt kaum erforscht, die Unsicherheit gross. Die Meldung markierte den Beginn der offiziellen Auseinandersetzung mit Aids in der Schweiz – medizinisch, politisch und gesellschaftlich.
HI-Virus
Ein Forschungsteam am Institut Pasteur in Paris isoliert erstmals das Virus, das AIDS verursacht: «HIV». Diese Entdeckung ist entscheidend für die Entwicklung von Tests und Therapien – und liefert den Beweis, dass AIDS eine medizinische, nicht moralische Ursache hat.
Telefonberatung HAZ
Engagierte Freiwillige der HAZ in Zürich gründen die erste Aids-Beratungsgruppe. In einer Zeit ohne Heilung, aber mit grosser Angst, bietet die Telefonberatung erste Hilfe und menschliche Nähe. Trotz fehlenden Wissens über Ansteckungswege begleiten sie Erkrankte mit Mut und Solidarität.
Lex AIDS
In der schwulen Community herrscht eine doppelte Angst: Die Angst vor dem Sterben und die Angst vor staatlicher Repression. Unter dem Schlagwort «Lex AIDS» fordern Politiker im Ausland – besonders drastisch in Bayern – drakonische Massnahmen wie namentliche Meldepflichten, Zwangstests und sogar die Internierung Infizierter. Das Privatleben schwuler Männer geriet unter Generalverdacht; die Grenze zwischen Gesundheitsschutz und Kriminalisierung verschwamm.
Auch in der Schweiz ist der Schrecken real. Die Befürchtung wächst, dass der Staat dem internationalen Druck nachgeben und repressive Gesetze zu erlassen würde. Eine solche «Lex AIDS» hätte das mühsam erkämpfte Coming-out einer ganzen Generation zunichtegemacht und Betroffene in den Untergrund getrieben. In diesem Klima der drohenden Hetzjagd wurde die Krankheit oft als moralische Strafe umgedeutet. Dass die Schweiz diesen Weg der Ausgrenzung schliesslich ablehnte und stattdessen auf Kooperation setzte, markiert den entscheidenden Wendepunkt in der hiesigen Aids-Geschichte.
1984
Grundstein für das «Swiss Model»
Während im Ausland «Lex AIDS» debattiert wird, wählt die Schweiz einen mutigen Sonderweg. Anstatt auf Repression zu setzen, setzt der Bund ab 1984 auf Kooperation: Schwule Organisationen werden nicht als Problem, sondern als Expert*innen anerkannt. Dieser frühe Schulterschluss zwischen Behörden und der Community bildet das Fundament für das, was später als «Swiss Model» international berühmt wird: ein pragmatischer Ansatz, der auf Fakten statt Moral, auf Risikoverhalten statt Risikogruppen und auf den Schutz der Privatsphäre setzt.
Erste Infoveranstaltung zu Aids
Am 13. Dezember 1984 findet in einem hoffnungslos überfüllten Hörsaal des Universitätsspitals der erste öffentliche Informationsabend zu Aids statt – organisiert von Community-Aktivist*innen gemeinsam mit dem jungen Infektiologen Dr. Ruedi Lüthy. Es ist eine Mischung aus Verzweiflung, brennendem Wissensdurst und tiefer Angst um das eigene Leben oder das der Freund*innen.
Doch in dieser Nacht passiert etwas Historisches: Anstatt sich zu verstecken, sucht die Community den Schulterschluss mit der Medizin. Diese Infoveranstaltung markiert den eigentlichen Urknall des Schweizer Weges. Hier entsteht das Fundament für eine Allianz aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Betroffenen, die sich weigert, Scham und Ausgrenzung das Feld zu überlassen. Es ist der Moment, in dem aus individueller Angst gemeinsamer Widerstand und koordinierte Hoffnung werden.
1985
Aids-Hilfe Schweiz
In Reaktion auf die wachsende Epidemie wird die Aids-Hilfe Schweiz gegründet. Als nationale Dachorganisation koordiniert sie Prävention, Beratung und politische Interessenvertretung. Sie bringt Fachpersonen, Aktivist*innen und Betroffene zusammen – und gibt HIV eine Stimme, lange bevor Politik und Gesellschaft dazu bereit sind.
Erster HIV-Antikörpertest
1985 wird der erste HIV-Antikörpertest verfügbar. Er macht es erstmals möglich, Infektionen zuverlässig nachzuweisen – ein entscheidender Schritt für Diagnose, Blutspendesicherheit und Prävention. Der Test bringt Gewissheit, aber auch neue Ängste: Viele scheuen ihn aus Sorge vor Stigmatisierung und Ausgrenzung.
«Ich bin homosexuell und ich habe Aids»
Der Zürcher SP-Politiker André Ratti outet sich öffentlich als schwul und HIV-positiv. Sein mutiger Schritt durchbricht das Schweigen und stellt sich dem Stigma entgegen. Ratti gibt der Krankheit ein Gesicht – in einer Zeit, in der viele aus Angst schweigen. Sein Engagement bleibt ein Meilenstein für Sichtbarkeit und Menschlichkeit.
Gründung Zürcher Aids-Hilfe
Mit der Gründung der Zürcher Aids-Hilfe formiert sich eine engagierte Gemeinschaft von Freiwilligen, Fachpersonen und Betroffenen. In verschiedenen Gruppen leisten sie Pionierarbeit: Die Telefonberatung bietet erste Hilfe, Therapie- und Treffpunktgruppen schaffen Austausch. Medizinische und Betreuungsgruppen begleiten Erkrankte, während die Benefiz- und PR-Gruppe dringend nötige Mittel sammelt – und Sichtbarkeit schafft. Der erste Präsident ist Hans Wenger.
Blutspendeskandal
In den 1980er‑Jahren werden in der Schweiz zahlreiche Menschen durch HIV‑kontaminierte Blutprodukte infiziert – vor allem Hämophile. Obwohl ab 1984 HIV‑Tests verfügbar sind, kommen noch bis 1986 ungetestete Produkte zum Einsatz. Erst nach öffentlichem Druck übernimmt das Schweizerische Rote Kreuz Mitverantwortung. Der Skandal führt zu Entschädigungen und zu Reformen in der Transfusionssicherheit.
1986
Erstes Flugblatt
Im Mai 1986 veröffentlicht die ZAH ihr erstes eigenes Flugblatt: «Aids wirft viele Fragen auf». Es macht deutlich, dass Homosexuelle die Hauptinitiant*innen der ZAH sind – solidarisch auch mit drogenkonsumierenden Menschen, die ebenfalls stark gefährdet sind. Das Flugblatt warnt vor Schuldzuweisungen an Betroffene und ruft zur Mithilfe auf: Denn Diskriminierung, Arbeitsplatzverlust und Isolation sind für viele Realität.
Betreuung & Begleitung
In einem gemeinsamen Workshop-Wochenende entwickeln Freiwillige das Konzept für die Arbeitsgruppe Betreuung & Begleitung (B&B). Viele Aids-Hilfe-Organisationen in der Schweiz übernehmen es. Damit entsteht erstmals ein strukturierter Ansatz für konkrete Hilfe im Alltag: Begleitung, Fürsorge und Menschlichkeit – dort, wo Prävention allein nicht mehr genügt.
1987
«Dieses kleine Ding entscheidet über Leben und Tod»
Am 3. Februar 1987 zeigt Tagesschau-Moderator Charles Clerc live im Fernsehen ein Kondom – mit den Worten: «Dieses kleine Ding, meine Damen und Herren, entscheidet über Leben und Tod.» Dieser mutige Auftritt wird zu einem Meilenstein der Schweizer HIV-Prävention: offen, direkt und für viele ein Tabubruch – aber dringend nötig.
Pressekonferenz der ZAH
Am 12. Februar tritt die Zürcher Aids-Hilfe mit ihrer ersten Pressekonferenz an die Öffentlichkeit – begleitet von einer eigenen Pressemappe. Das mediale Echo ist gross. Vorgestellt werden die neue Geschäftsstelle an der Turbinenstrasse, ein angestellter Sozialarbeiter und der anonyme Telefonberatungsdienst. Die ZAH macht deutlich: Aids betrifft nicht nur Risikogruppen – sondern uns alle.
AZT
AZT (Zidovudin) ist das erste zugelassene Medikament zur Behandlung von HIV. Ursprünglich als Krebsmittel entwickelt, wird es zum Symbol medizinischer Hoffnung in der Aids-Krise. Doch das Virus ist schneller: HIV entwickelt rasch Resistenzen gegen AZT. Trotz starker Nebenwirkungen markiert AZT den Beginn der antiretroviralen Behandlung – und bereitet den Weg für Kombinationstherapien.
EKAF
Der Bund gründet die Eidgenössische Kommission für Aidsfragen (EKAF). Sie bringt Wissenschaft, Politik und Community zusammen – für eine faktenbasierte, menschliche Aids‑Politik – und prägt die Schweizer Präventionsstrategie entscheidend. Aus der EKAF wird später die Eidgenössische Kommission für Sexuelle Gesundheit (EKSG). Ab 2020 trägt sie den Namen «Eidgenössische Kommission für Fragen zu sexuell übertragbaren Infektionen».
«Wenn alle sich schützen…»
1987 feiert das Theaterstück «Wenn alle sich schützen…» Premiere in Zürich. Es basiert auf Interviews mit Betroffenen. In Zusammenarbeit mit der ZAH wird es schweizweit aufgeführt – als starkes Zeichen für Aufklärung, Empathie und Sichtbarkeit.
Erste ZAH Geschäftsstelle
Am 1. März 1987 eröffnet die Zürcher Aids-Hilfe ihre erste Geschäftsstelle an der Turbinenstrasse 10. Eine Sozialarbeiter*in koordiniert rund 60 freiwillige Mitarbeitende. Finanziert wird das Angebot durch Stadt, Kanton und Kirchen – mit einem Jahresbudget von 180’000 Franken. Der Schritt markiert den Übergang von ehrenamtlicher Initiative zu professioneller Hilfe für Menschen mit HIV und Aids.
Needle Park
In den 1980er‑Jahren jagt die Polizei die offene Drogenszene durch Zürich – von der Riviera bis zur Seepromenade. Trotz Repression wächst die Zahl der Heroinkonsumierenden auf rund 4’000. Schliesslich wird der Platzspitz beim Landesmuseum zum geduldeten Drogenplatz. Dort verbreitet sich HIV rasant: Jede zweite Frau und jeder dritte Mann ist infiziert. Der sogenannte «Needle Park» wird zum Symbol für Elend, Ausgrenzung – und politisches Versagen.
1988
Swiss HIV Cohort Study (SHCS)
1988 wird die Schweizer HIV-Kohortenstudie gegründet – ein nationales Forschungsprojekt zur langfristigen Beobachtung von Menschen mit HIV. Seither liefern beteiligte Spitäler und Ärzt*innen Daten zu Therapien, Krankheitsverläufen und Lebensqualität. Die SHCS zählt heute zu den weltweit führenden HIV-Kohortenstudien und ist zentral für die medizinische Versorgung und Forschung in der Schweiz.
Offener Treffpunkt
Die Zürcher Aids-Hilfe eröffnet einen offenen Treffpunkt in der Nähe des Centrals. Dort finden Betroffene Raum für Begegnung, persönliche Beratung und solidarischen Austausch – in einer Zeit, die von Unsicherheit, Isolation und Stigmatisierung geprägt ist. Der Treffpunkt wird zu einem wichtigen Ort der Unterstützung und Gemeinschaft.
1. Welt-Aids-Tag
Am 1. Dezember 1988 findet der erste Welt-Aids-Tag statt – initiiert von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Er setzt ein globales Zeichen für Solidarität mit HIV-positiven Menschen sowie für Erinnerung, Aufklärung und Engagement. Seither wird der Tag jährlich begangen – auch in der Schweiz – als Mahnung gegen Stigmatisierung und für gemeinsame Verantwortung.
1989
Entschlüsselung der HIV-1-Protease
1989 wird die Struktur der HIV-1-Protease entschlüsselt – ein entscheidender Schritt für die spätere Entwicklung der Proteasehemmer, die ab Mitte der 1990er-Jahre die HIV‑Therapie revolutionieren.
1990
«Kondome sind Sünde»
Papst Johannes Paul II. lehnt künstliche Verhütung strikt ab – auch den Gebrauch von Kondomen zur Eindämmung von HIV. Diese Haltung wird von Ärztinnen und Aids‑Aktivistinnen weltweit heftig kritisiert. Sie werfen der Kirche vor, mitverantwortlich für unzählige Infektionen und Todesfälle zu sein – besonders in Ländern mit stark betroffenen Bevölkerungen. Die moralische Ablehnung von Kondomen wird so zu einer Frage von Leben und Tod.
1991
People with Aids
«People with Aids Schweiz» (PWA) ist ein Dachverband von HIV‑infizierten und an Aids erkrankten Menschen, gegründet im Februar 1991. Ziel des Vereins ist es, die Vernetzung zwischen Betroffenen zu fördern, Informationen über die Krankheit und das Leben mit HIV zu sammeln, sich für ihre Interessen einzusetzen, gegen öffentliche Diskriminierung anzukämpfen und mit Organisationen zu kooperieren, die ähnliche Ziele verfolgen.
The NAMES Project
Die P.W.A.-Schweiz ruft 1991 aus eigener Betroffenheit das «NAMES Project Schweiz» ins Leben – als Teil eines weltweiten Erinnerungsprojekts. Der Verein will die Öffentlichkeit aufrütteln und mit dem Tod von Menschen konfrontieren, die an den Folgen von Aids gestorben sind. Diese sollen nicht anonym verschwinden, sondern mit individuell gestalteten Erinnerungstüchern im Gedächtnis bleiben. Die damalige Projektleiterin Susanna Lüthi engagiert sich bis heute im Kampf gegen die Stigmatisierung von Menschen mit HIV.
Gründung Arud
Die Arud (Arbeitsgemeinschaft für risikoarmen Umgang mit Drogen) wird gegründet, um Menschen mit problematischem Substanzkonsum medizinisch und psychosozial zu begleiten. Als Pionierin der Schadensminderung setzt sie sich früh für die kontrollierte Heroinabgabe und evidenzbasierte Behandlung ein. Sie verknüpft Suchtmedizin mit Infektiologie – etwa im Bereich HIV und Hepatitis – und wird zu einer zentralen Akteurin der öffentlichen Gesundheit in Zürich.
1992
Red Ribbon
Die Künstlergruppe «Visual AIDS Artists Caucus» entwirft in New York das Red Ribbon – die rote Schleife – als Symbol der Solidarität mit Menschen mit HIV und Aids. Es steht für Mitgefühl und protestiert gegen das Schweigen. Das Red Ribbon verbreitet sich weltweit – auch in der Schweiz – und wird zum Zeichen gegen Stigmatisierung und für Menschlichkeit.
Räumung Platzspitz
1992 wird der Park geräumt, die Szene verlagert sich zum Lettenviadukt. Erst mit der späteren Einführung von Schadensminderung, Fixerstuben und der kontrollierten Heroinabgabe gelingt es, die Situation zu beruhigen – und die HIV‑Ausbreitung unter Drogenkonsumierenden stark zu senken.
1993
HIV Pract
Engagierte Ärzt*innen in der Schweiz gründen das Netzwerk HIV‑Pract. Ihr Ziel: Menschen mit HIV ganzheitlich betreuen, Erfahrungen austauschen und sich kontinuierlich weiterbilden. Das Netzwerk vereint Hausärztinnen, Infektiologinnen, Suchtmediziner*innen, Psychiater*innen und Gynäkolog*innen – und steht für eine koordinierte, respektvolle Versorgung von HIV‑Betroffenen.
HIV repliziert in allen Stadien der Infektion
Wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen, dass HIV kontinuierlich im Körper repliziert, selbst in frühen oder klinisch «ruhigen» Phasen. Diese Einsicht ist entscheidend, weil sie zeigt, dass HIV nicht passiv im Körper schlummert, sondern das Immunsystem ständig angreift. Sie legt die Grundlage für Therapieansätze, die auf eine frühe und konsequente Behandlung setzen.
1994
CD8-T-Zellen kontrollieren Viruslast
Forschende zeigen, dass bestimmte Abwehrzellen (CD8-T-Zellen) bei HIV eine entscheidende Rolle spielen: Sie bremsen das Virus, indem sie infizierte Zellen zerstören. Dadurch helfen sie, die Virusmenge im Körper (die sogenannte Viruslast) niedrig zu halten. Es wird erstmals verständlich, warum manche Menschen langsamer erkranken. Diese Erkenntnisse ermöglichen die Entwicklung von Therapien, die das Immunsystem gezielt unterstützen.
1995
Räumung Letten
Am 14. Februar wird die offene Drogenszene am Letten in Zürich von der Polizei geräumt. Nach der Auflösung des Platzspitz verlagert sich die Szene dorthin – mit Elend, Gewalt und einer hohen HIV‑Verbreitung unter Drogenkonsumierenden. Die Räumung markiert das Ende der Duldungspolitik und den Beginn eines neuen Weges mit Schadensminderung, Betreuung und medizinischer Hilfe.
1996
Therapie statt Todesurteil
1996 markiert einen Wendepunkt in der HIV‑Behandlung: Mit der Einführung der kombinierten antiretroviralen Therapie (ART) kann das Virus erstmals dauerhaft unterdrückt werden. Die Kombination mehrerer Wirkstoffe senkt die Viruslast auf ein kaum nachweisbares Niveau. Für viele bedeutet das: Leben statt Sterben. Die Aids‑Epidemie verliert erstmals ihren Schrecken – zumindest in Ländern mit Zugang zu dieser Therapie.
UNAIDS
UNAIDS ist das Gemeinsame Programm der Vereinten Nationen zu HIV/Aids. Es wird 1996 gegründet, um die weltweite Reaktion auf HIV zu koordinieren – denn zuvor arbeiten viele UN‑Organisationen nebeneinander, oft ohne gemeinsame Strategie.
1997
Positivrat
Der Positivrat Schweiz wird 1997 gegründet – als nationale Stimme von Menschen mit HIV. Als unabhängiges Fachgremium setzt er sich für die Rechte, Anliegen und Lebensqualität von Betroffenen ein. Der Rat bringt die Perspektive der Community in Fachgremien, Kampagnen und die öffentliche Diskussion ein – als Stimme gegen Stigmatisierung und für Teilhabe.
Entdeckung des stabilen HIV-Reservoirs
Forschende weisen nach, dass HIV in latenter Form dauerhaft im Körper verbleibt – selbst unter Therapie. Dieses «stabile, induzierbare Reservoir» ist bis heute der Grund, warum HIV nicht heilbar ist.
1998
Herrmann
Die Zürcher Aids‑Hilfe lanciert das Projekt Herrmann als spezialisierte Anlaufstelle für cis‑männliche Sexarbeitende in Zürich. In einer Zeit, in der männliche Sexarbeit gesellschaftlich stark tabuisiert und gesundheitspolitisch kaum berücksichtigt wird, schafft das Projekt einen geschützten Raum für Beratung, medizinische Grundversorgung, Prävention und psychosoziale Unterstützung. Herrmann etabliert Outreach‑Arbeit im Milieu, fördert den Zugang zu HIV‑ und STI‑Prävention und setzt sich gegen Diskriminierung und Gewalt ein. Damit trägt das Projekt wesentlich dazu bei, die Lebensrealität einer lange übersehenen Gruppe sichtbar zu machen und ihre gesundheitliche Versorgung nachhaltig zu verbessern.
Don Juan
Das Projekt der Zürcher Aids‑Hilfe richtet sich gezielt an die männliche Kundschaft von cis‑Sexarbeiterinnen. In Zusammenarbeit mit der STOP‑AIDS‑Kampagne des Bundes soll es das Präventionsbewusstsein stärken, indem die Regeln des Safer Sex in Erinnerung gerufen werden. Das Projekt besteht bis heute – inzwischen unter dem Namen «Kunden der Sexarbeit».
2000
Globale Ungleichheit
Die weltweite HIV/Aids‑Bekämpfung erreicht eine neue politische Dimension: Die UNO bereitet eine Sondergeneralversammlung zu HIV/Aids vor, stuft die Epidemie als globale Entwicklungs‑ und Sicherheitsbedrohung ein und lanciert Initiativen für den Zugang zu Medikamenten. Die Welt‑Aids‑Konferenz in Durban macht die globale Ungleichheit im Zugang zu Behandlung sichtbar und setzt ein starkes Zeichen für internationale Solidarität.
Talk+
Die Wurzeln von Talk+ liegen in den späten 1980er‑ und frühen 1990er‑Jahren, als Menschen mit HIV erstmals informell Schulklassen und Ausbildungsstätten besuchen, um über ihr Leben mit dem Virus zu sprechen. Diese persönlichen Begegnungen erweisen sich als wirksame Form der Aufklärung: Sie bauen Ängste ab, korrigieren Fehlinformationen und machen die Realität des Lebens mit HIV sichtbar. Daraus entwickelt sich ein strukturiertes Schulprojekt, später bekannt als «Menschen mit HIV in Schulklassen». Die Zürcher Aids‑Hilfe professionalisiert das Angebot, koordiniert die Einsätze und baut ein Netzwerk geschulter Referent*innen auf. Mit der Zeit wird das Projekt weiterentwickelt und unter dem Namen Talk+ neu positioniert – die Grundidee bleibt jedoch unverändert.
Lust und Frust
«Lust und Frust» unterstützt Jugendliche in ihrer sexuellen Entwicklung und leistet Aufklärungsarbeit an Schulen sowie in der offenen Jugendarbeit. Es ist eine Zusammenarbeit zwischen der Zürcher Aids‑Hilfe und der Stadt Zürich.
2001
Zurück zum Spiegelbild
In den 1990er-Jahren führten viele HIV-Medikamente zu sichtbaren Nebenwirkungen wie Fettumverteilung im Gesicht, Nacken oder Bauch – sogenannte Lipodystrophie. Diese Veränderungen waren für viele Betroffene stigmatisierend. Ab den 2000er‑Jahren kommen besser verträgliche Wirkstoffe auf den Markt. Mit ihnen verschwinden viele dieser Nebenwirkungen – und damit auch ein Teil der sozialen Belastung.
2002
VCT (Voluntary Counselling and Testing)
UNAIDS definiert VCT als internationalen Standard und fördert den weltweiten Ausbau freiwilliger HIV‑Tests mit professioneller Beratung. Dabei werden zentrale Prinzipien festgehalten: freiwillig, vertraulich, mit informierter Zustimmung und ohne Zwang. Dieser menschenrechtsbasierte Ansatz markiert einen wichtigen Schritt weg von stigmatisierenden oder verpflichtenden Testpraktiken.
Checkpoint Amsterdam
2002 eröffnet in Amsterdam der erste «Checkpoint» – ein community‑geführtes HIV‑Testangebot, das mit Schnelltests innert fünfzehn Minuten die bis dahin üblichen, wochenlangen Wartezeiten durchbricht. Der Ansatz ist niedrigschwellig, respektvoll und queer‑sensibel und erreicht innerhalb weniger Jahre fast 5’000 Menschen, viele davon erstmals. Zentral ist die Peer‑Begleitung: Geschulte HIV‑positive Menschen unterstützen Betroffene unmittelbar nach einem positiven Ergebnis und schaffen Sicherheit und Solidarität. Der Erfolg bleibt international nicht unbemerkt.
2003
Höhepunkt der globalen HIV/Aids‑Epidemie
Die HIV/Aids‑Epidemie erreicht weltweit einen neuen Höhepunkt: 40 Millionen Menschen leben mit HIV, 5 Millionen infizieren sich neu, 3 Millionen sterben an Aids. Besonders dramatisch ist die Lage in Subsahara‑Afrika und Osteuropa. Trotz wachsender internationaler Initiativen warnen UNAIDS und WHO, dass die globalen Bemühungen weiterhin unzureichend sind.
2004
Welt-AIDS-Konferenz in Bangkok
Die Welt-AIDS-Konferenz in Bangkok rückt die ungleiche Verteilung von Medikamenten ins Zentrum und stärkt die Rolle von Communitys und Menschen mit HIV in der globalen Antwort. Auch der Checkpoint Amsterdam präsentiert dort seine Resultate und setzt damit europaweit neue Standards für schnelle, respektvolle und niedrigschwellige Testangebote. In den folgenden Jahren entstehen in zahlreichen Städten weitere Checkpoints – getragen von Communitys, nicht von staatlichen Stellen.
Interkulturelle Mediation
Ein interkulturelles Mediator*innen‑Team startet bei der Zürcher Aids‑Hilfe. Seither leistet es Präventionsarbeit, Beratung und Aufklärung – von und mit Migrant*innen im Kanton Zürich. Ziel ist es, kulturelle Hürden abzubauen und den Zugang zu Informationen über HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen zu verbessern.
Dublin Declaration
Mit der Dublin‑Erklärung von 2004 verpflichten sich europäische und zentralasiatische Länder zu einer verstärkten, solidarischen HIV‑Bekämpfung. Sie betonen Partnerschaft, Menschenrechte und evidenzbasierte Prävention – und fordern gezielte Massnahmen für besonders betroffene Gruppen. Die Erklärung setzt ein wichtiges Zeichen für gemeinsame Verantwortung im Kampf gegen HIV.
Therapie bei Resistenzen
Mit Tipranavir kommt ein Proteasehemmer auf den Markt, der auch bei mehrfach resistenten HIV‑Stämmen wirksam ist. Für Menschen, bei denen herkömmliche Therapien nicht mehr anschlagen, bedeutet das neue Hoffnung. Er eröffnet stark vorbehandelten Patient*innen mit eingeschränkten Therapieoptionen erstmals wieder eine Perspektive auf Kontrolle der Infektion. Es ist ein wichtiger Fortschritt in einer Zeit, in der viele an die Grenzen der damaligen Behandlungsmöglichkeiten stossen.
2005
Papst lehnt Kondome ab
Papst Benedikt XVI. erklärt, nur Enthaltsamkeit und eheliche Treue seien moralisch vertretbare Mittel zur Aids‑Bekämpfung. Kondome lehnt er ab – eine Haltung, die weltweit Kritik auslöst, besonders von Gesundheitsorganisationen.

Gründung Checkpoint Zürich
Am 12. Juni 2006 eröffnet die Zürcher Aids-Hilfe gemeinsam mit der Arud den Checkpoint Zürich – ein neues, niedrigschwelliges Gesundheitsangebot für die queere Community. Direkt beim Hauptbahnhof, an der Konradstrasse 1, bietet der Checkpoint erstmals in Zürich schnelle und anonyme HIV‑ und STI‑Tests in einem respektvollen, spezialisierten Umfeld. Inspiriert vom Modell in Amsterdam setzt der Checkpoint auf Beratung auf Augenhöhe, queer‑sensible Betreuung und Öffnungszeiten, die sich an den Lebensrealitäten der Community orientieren.
Das Angebot:
- Anonyme HIV-Schnelltests – damals ein Novum in Zürich. Mit einem einfachen Fingerprick-Test liegen die Resultate bereits nach rund 20 Minuten vor.
- STI-Abklärungen (Syphilis, Gonorrhoe, Chlamydien) – fachgerecht durchgeführt, aber ohne bürokratische Hürden und ohne Überweisung.
- Persönliche Beratung zur sexuellen Gesundheit – inklusive Risikoeinschätzung, Präventionsberatung und Unterstützung nach einem positiven Testergebnis.
- Sofortige medizinische Anbindung – durch die Kooperation zwischen Zürcher Aids-Hilfe und Arud können Personen mit einem positiven HIV-Test direkt am selben Tag vernetzt und in Behandlung geführt werden.
- Walk‑in ohne Termin – ein bewusst niedrigschwelliges Konzept, das insbesondere für junge, queere Menschen und Personen mit Angst vor Stigmatisierung wichtig ist.
- Ein sicherer, queerfreundlicher Raum – der Checkpoint positioniert sich von Beginn an als Safer Space, in dem Diskriminierung keinen Platz hat.
2007
Single-Pill-Regime
2007 wird in der Schweiz mit Atripla das erste Single‑Tablet‑Regime zur HIV‑Therapie zugelassen. Die Kombination aus drei Wirkstoffen in einer einzigen täglichen Tablette vereinfacht die Behandlung erheblich, verbessert die Therapietreue und stärkt die Lebensqualität vieler Betroffener. Eine Tablette pro Tag – ein wichtiger Schritt weg vom Stigma und hin zu einem selbstbestimmten Leben mit HIV.
Integrase-Hemmer
Raltegravir war der erste Vertreter einer neuen Wirkstoffklasse: der Integrase-Inhibitoren. Es blockiert den Einbau des Virus-Erbguts in menschliche Zellen – ein völlig neuer Ansatz in der HIV-Therapie. Aufgrund ihrer starken Wirksamkeit und guten Verträglichkeit gehören Integrase-Hemmer heute zur bevorzugten Ersttherapie.
2008
Swiss Statement
Am 30. Januar 2008 veröffentlicht die Eidgenössische Kommission für Aidsfragen (EKAF) das später weltweit bekannt gewordene «Swiss Statement». Darin halten Schweizer HIV‑Expert*innen erstmals offiziell fest, dass Menschen mit HIV unter wirksamer antiretroviraler Therapie das Virus beim Sex nicht übertragen, sofern drei Bedingungen erfüllt sind:
Die Viruslast liegt seit mindestens sechs Monaten unter der Nachweisgrenze, die Therapie wird konsequent eingehalten und ärztlich kontrolliert, und es liegen keine anderen sexuell übertragbaren Infektionen vor.
Diese Erkenntnis ist für serodifferente Paare – bei denen eine Person HIV‑positiv und die andere HIV‑negativ ist – von grosser Bedeutung. Unter den genannten Voraussetzungen können sie auf zusätzliche Schutzmassnahmen verzichten.
Das Swiss Statement ist ein medizinischer und gesellschaftlicher Meilenstein. Es stellt weit verbreitete Ängste infrage, basiert auf solider wissenschaftlicher Evidenz und trägt wesentlich zum Abbau von Stigmatisierung und rechtlicher Diskriminierung bei. International wird es zum Ausgangspunkt der späteren U=U‑Bewegung («Undetectable = Untransmittable»), die heute weltweit anerkannt ist.
2009
du-bist-du
«du-bist-du» wird von der Homosexuellen Arbeitsgruppe Zürich (HAZ) und der Zürcher Aids-Hilfe ins Leben gerufen. Ursprünglich als Beratungsangebot für schwule und bisexuelle Jungs gestartet, bietet es jungen Männern erstmals einen geschützten Raum, um offen über Sexualität, Identität und Unsicherheiten zu sprechen. Der damalige Slogan «von Jungs für Jungs» bringt den Peer‑Gedanken auf den Punkt.
Mit den Jahren entwickelt sich «du-bist-du» weiter – inhaltlich wie gesellschaftlich. Aus einem spezialisierten Angebot wird eine Anlaufstelle für alle jungen Menschen, die Fragen zu sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität oder Coming‑out haben. Heute steht «du-bist-du» für respektvolle Begleitung, Peer‑Beratung und Empowerment. Was als kleines Community‑Projekt beginnt, wird zu einem wichtigen Bestandteil der queeren Jugendgesundheit in Zürich – ein Ort, der jungen Menschen zeigt: Du bist okay, so wie du bist.
Queer+ (Arosa)
2009 starten der Checkpoint Zürich und der Checkpoint Genf gemeinsam das Wochenendprogramm Queer+, ein vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) finanziertes Workshop‑Wochenende für kürzlich mit HIV diagnostizierte schwule und andere Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), sowie ihre Partner. Die ersten Durchführungen finden im Rahmen des «Queer+ Weekends» in Arosa statt.
2010
Erstmal globaler Rückgang
Die globale HIV‑Epidemie beginnt sich erstmals messbar zu verlangsamen. UNAIDS meldet einen Rückgang der Neuinfektionen und Aids‑Todesfälle um fast 20 % und lanciert die Vision «Zero new infections. Zero discrimination. Zero AIDS‑related deaths». Neue Präventionsansätze und der Ausbau der Therapie markieren einen weltweiten Wendepunkt.
Checkpoint wird SHCS-Zentrum
Seit 2010 ist der Checkpoint Zürich assoziiertes Zentrum der Swiss HIV Cohort Study (SHCS) und damit Teil einer der zentralen Forschungs‑ und Versorgungsstrukturen für Menschen mit HIV in der Schweiz. Durch die Mitwirkung trägt der Checkpoint zur kontinuierlichen Weiterentwicklung medizinischer Standards bei und integriert neue wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in die eigene Praxis. Für die Klient*innen bedeutet dies eine Betreuung, die in eine der bestuntersuchten und am stärksten koordinierten HIV‑Versorgungsstrukturen weltweit eingebettet ist. Die enge Verbindung von Forschung, klinischer Expertise und Community‑Medizin stärkt die Behandlungsqualität nachhaltig.
Queer+ auf dem Stoos
Ab 2010 wird das Angebot Queer+ auf den Stoos (SZ) verlegt, wo es bis 2014 zweimal jährlich durchgeführt wird. Queer+ bietet einen geschützten Raum, in dem Teilnehmende fachliche Inputs zu Medizin, Therapie, psychischer Gesundheit und rechtlichen Fragen erhalten und sich gleichzeitig im Peer‑Setting austauschen können. Ziel ist es, die Selbstkompetenz zu stärken, Sicherheit im Umgang mit der Diagnose zu vermitteln und den frühzeitigen Therapiebeginn zu erleichtern. Evaluationen des BAG bescheinigen Queer+ eine hohe Wirksamkeit und grosse Zufriedenheit der Teilnehmenden.
Psychologische Betreuung im Checkpoint
Im Jahr 2010 erweitert der Checkpoint Zürich sein Angebot um eine professionelle psychologische Betreuung. Mit Stephan Dietiker tritt erstmals ein Psychologe mit einem 50‑Prozent‑Pensum ins Team ein und legt damit einen zentralen Grundstein für die heutige psychosoziale Ausrichtung des Checkpoints. Seine Arbeit schafft einen dringend benötigten Raum für queere Menschen, die Unterstützung bei Themen wie HIV‑Diagnose, Sexualität, psychischer Belastung, Beziehungssituationen oder Stigmatisierung benötigen. Durch seine Präsenz werden psychologische Versorgung, medizinische Begleitung und Community‑Nähe erstmals systematisch miteinander verbunden. Dies stärkt die ganzheitliche Betreuung und ermöglicht es vielen Klient*innen, psychische Stabilität, Orientierung und Sicherheit zu finden. Bereits ein Jahr später wird das Pensum erhöht.

Kampagne
2011 nimmt der Checkpoint Zürich erstmals an den von der Aids-Hilfe Schweiz organisierten nationalen Testwochen teil. Die Aktion erweist sich sofort als grosser Erfolg: Von rund 1’600 Tests, die schweizweit durchgeführt werden, entfallen etwa 1’200 allein auf den Checkpoint Zürich.
Damit wird deutlich, wie zentral der Checkpoint bereits wenige Jahre nach seiner Gründung für HIV- und STI-Testangebote in Zürich ist. Die hohe Nachfrage zeigt sowohl das Vertrauen der Community als auch den stark wachsenden Bedarf nach niedrigschwelligen, anonymen und fachkundigen Testangeboten. Die Teilnahme an den Testwochen markiert einen wichtigen Schritt in der nationalen Präventionsarbeit und festigt die Rolle des Checkpoint Zürich als bedeutende Anlaufstelle für sexuelle Gesundheit in der Region.
Aufhebung USA-Einreiseverbot
Über 20 Jahre lang dürfen Menschen mit HIV nicht in die USA einreisen. Erst 2010 wird das Einreiseverbot aufgehoben. Die Entscheidung ist ein bedeutender Schritt im Kampf gegen Diskriminierung. Für viele Betroffene bedeutet sie Freiheit, Sichtbarkeit und gesellschaftliche Anerkennung.
Fachstelle für trans Menschen
Die trans Beratung wird 2011/2012 aufgebaut – als erste Fachstelle dieser Art in der Region. In den folgenden Jahren wird das Angebot laufend erweitert und professionalisiert. Heute ist die Fachstelle für trans Menschen eine zentrale Anlauf- und Vermittlungsstelle zwischen trans Community, Gesundheitswesen und Fachpersonen – mit dem Ziel, Zugang, Sichtbarkeit und Selbstbestimmung zu fördern.
NPHS
Mit dem Start des Nationalen Programms HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen (NPHS) setzt der Bund 2011 einen neuen Rahmen für Prävention, Testung, Behandlung und Entstigmatisierung. Das Programm integriert erstmals HIV und andere STI in einer gemeinsamen Strategie und verfolgt das Ziel, Neuinfektionen zu senken und gesundheitliche Spätfolgen zu vermeiden. Es schafft eine koordinierte, evidenzbasierte Grundlage, die Fachstellen, Behörden und Community enger vernetzt und eine sexualitätsfreundliche, respektvolle Gesundheitskultur fördert. Für den Checkpoint Zürich bedeutet das NPHS einen wichtigen Schub: Es stärkt niedrigschwellige Angebote, fördert vermehrtes Testen und unterstützt zielgruppenspezifische Prävention – alles Kernbereiche des Checkpoints seit seiner Gründung. Dadurch wird der Checkpoint stärker in nationale Versorgungsstrukturen eingebunden und trägt wesentlich zur Umsetzung der Programmziele bei.
Peerberatung für Menschen mit HIV
Mit „Queer Help“ schafft der Checkpoint ein Angebot für Peerberatungen von und für Männer mit HIV an. Es ermöglicht einen niederschwelligen Austausch mit Beratern, die selbst mit HIV leben und ihre Erfahrungen weitergeben. Im Zentrum stehen Unterstützung nach der Diagnose, Orientierung im Alltag sowie der persönliche Austausch auf Augenhöhe. Das Angebot wird im Laufe der Zeit weiterentwickelt und unter dem Namen „Queer Plus“ weitergeführt. Es bleibt ein wichtiger Bestandteil der psychosozialen Unterstützung und ergänzt die medizinische Versorgung durch erfahrungsbasierte Beratung.
2012

Checkpoint reagiert auf steigende Nachfrage
Der Checkpoint Zürich erweitert seine Öffnungszeiten deutlich und schafft damit einen entscheidenden Mehrwert für die Community. Neu ist der Checkpoint wochentags acht Stunden pro Tag geöffnet und bietet zusätzlich am Sonntag vier Stunden Beratung, Testing und medizinische Betreuung an. Dieser Ausbau reagiert auf die stetig steigende Nachfrage nach niedrigschwelligen Angeboten und die wachsende Bedeutung des Checkpoints als zentrale Anlaufstelle für queere Gesundheitsversorgung.
Mit den verlängerten Öffnungszeiten passt sich der Checkpoint stärker an die Lebensrealitäten seiner Zielgruppen an: Menschen mit unregelmässigen Arbeitszeiten, Personen in akuten Krisensituationen oder solche, die Diskretion ausserhalb der üblichen Bürozeiten benötigen, erhalten nun flexiblere Zugänge zu Unterstützung, Diagnostik und Beratung. Besonders die Öffnung am Sonntag setzt ein starkes Zeichen – weg vom klassischen Praxismodell, hin zu einer community-orientierten Gesundheitsstruktur.
Queer-KISS
2012 führt der Checkpoint Zürich erstmals Queer‑KISS ein – die queersensible Adaption des Harm-Reduction-Programms KISS (Kompetenz im selbstbestimmten Substanzkonsum). Das verhaltenstherapeutische Konzept unterstützt Menschen dabei, ihren Konsum legaler und illegaler Substanzen zu reduzieren oder kontrollierter zu gestalten, ohne Abstinenz vorauszusetzen. Nach einem Vorgespräch folgen acht Gruppenabende, in denen Konsummuster reflektiert, Ziele gesetzt und Strategien der Harm Reduction erarbeitet werden. Damit entsteht ein niedrigschwelliges Angebot für Personen, die ihren Konsum verändern möchten – passgenau ausgerichtet auf queere Lebenswelten.
Queer Quit
Zwischen 2012 und 2014 führen der Checkpoint Zürich und der Checkpoint Genf gemeinsam Queer Quit durch – ein speziell für schwule Männer entwickeltes Rauchstopp‑Programm. Grundlage ist ein aus England stammendes Modell, das vom Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung (ISGF) der Universität Zürich kulturell angepasst und wissenschaftlich begleitet wird. Die Raucherprävalenz liegt bei schwulen Männern deutlich höher als in der heterosexuellen Bevölkerung. In Zürich wird das Programm zunächst mit 70 Teilnehmenden erprobt. Mit Queer Quit etablieren die beiden Checkpoints erstmals ein wirksames, wissenschaftlich fundiertes Rauchstopp‑Angebot, das konsequent an den Lebensrealitäten schwuler Männer ansetzt und ein wichtiges Zeichen in der queeren Gesundheitsförderung setzt.
2014
Queer+ im Visier
Im Herbst 2014 gerät das seit 2009 erfolgreich durchgeführte Weekend‑Programm Queer+ auf dem Stoos in einen medialen Sturm. Ein Bericht einer Schwyzer Lokalzeitung, später von 20 Minuten schweizweit verbreitet, stellt das evidenzbasierte Workshop‑Format fälschlicherweise als «staatlich finanzierte Sex‑Orgien» dar. Die skandalisierende Berichterstattung basiert auf anonymen Behauptungen und blendet die fachlichen Inhalte des Angebots vollständig aus.
Obwohl das BAG das Projekt öffentlich verteidigt und auf die positiven Evaluationen, die hohe Wirksamkeit und den grossen Nutzen für frisch diagnostizierte MSM hinweist, entsteht auf politischer Ebene erheblicher Druck. Vor dem Hintergrund laufender Spardebatten im HIV‑Bereich wird Queer+ zunehmend zum Symbol politischer Auseinandersetzungen.
Trotz fehlender Hinweise auf Verstösse und trotz nachgewiesener fachlicher Qualität wird das Programm Ende 2014 eingestellt. 2015 erfolgt lediglich noch ein einmaliges Ersatzformat in den Räumen der Arud. Mit dem Wegfall von Queer+ verliert die Schweiz einen wichtigen unterstützenden Raum für Menschen unmittelbar nach der HIV‑Diagnose – ein Angebot, das jahrelang Stabilität, Wissen und Peer‑Austausch ermöglicht.
HCV-Heilung
Mit neuen Medikamenten wird Hepatitis C ab 2014 erstmals heilbar – in über 95 % der Fälle. Besonders für HIV-positive Menschen mit Koinfektion ist das ein grosser Fortschritt. Die Therapie ermöglicht eine kurze, meist gut verträgliche Behandlung ohne die früher belastenden Nebenwirkungen. Damit lassen sich schwere Folgeerkrankungen wie Leberzirrhose oder Leberkrebs in vielen Fällen verhindern. Heute wird die Elimination von Hepatitis C als öffentliches Gesundheitsziel realistisch – vorausgesetzt, Tests, Zugang zur Therapie und Prävention werden konsequent umgesetzt.
2015
PrEP-Begleitung
Ab 2015 beginnt der Checkpoint Zürich, die ersten Menschen beim Zugang zur HIV‑PrEP zu begleiten – zu einer Zeit, in der diese Präventionsmethode in der Schweiz weder zugelassen noch bezahlbar ist. Viele interessierte Männer bestellen ihre Medikamente deshalb über internationale Anbieter im Internet, während der Checkpoint Zürich die medizinische Überwachung übernimmt und damit eine sichere sowie verantwortungsvolle Nutzung überhaupt erst ermöglicht. Was zunächst mit nur drei begleiteten PrEP‑Nutzern im Jahr 2015 beginnt, entwickelt sich rasant weiter: 2016 sind es bereits 14 Personen, und 2017 steigt die Zahl auf 67 Klient*innen an. Damit wird der Checkpoint zu einer der ersten und wichtigsten Anlaufstellen für PrEP in der Schweiz und leistet einen zentralen Beitrag zur Etablierung dieser heute unverzichtbaren HIV‑Präventionsstrategie.
Zürcher HIV-Primoinfektionskohorte (ZPHI)
Seit 2015 beteiligt sich der Checkpoint Zürich an der Zürcher HIV‑Primoinfektionskohorte. Untersucht werden die ersten Monate nach einer HIV‑Infektion – eine Schlüsselphase für Krankheitsverlauf, Übertragbarkeit und Therapie. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse haben die moderne HIV‑Behandlung wesentlich mitgeprägt.
PARTNER-Studie
Im Rahmen der Swiss HIV Cohort Study wirkt der Checkpoint Zürich an der PARTNER‑Studie mit. In der Pilotphase (2010–2013) werden erstmals Partner*innen von Menschen unter wirksamer HIV‑Therapie systematisch in die Forschung einbezogen. Neben HIV‑Tests liefern standardisierte Befragungen zum Sexualverhalten erstmals belastbare Daten zu Übertragungsrisiken und Lebensrealitäten serodifferenter Paare – eine zentrale Grundlage für evidenzbasierte Prävention und Beratung.
RaDAR-Go‑Studie
Als Studienzentrum engagiert sich der Checkpoint Zürich in der RaDAR‑Go‑Studie („Rapid Diagnosis of Antibiotic Resistance in Gonorrhoea“). Ziel ist die Entwicklung eines molekularen Schnelltests, der sowohl Gonokokken nachweist als auch Antibiotikaresistenzen identifiziert. Damit wird eine gezieltere Behandlung ermöglicht und der Ausbreitung resistenter Erreger entgegengewirkt.
2016
EARLY-SIMPLIFIED‑Studie
Seit 2016 ist der Checkpoint Zürich an der EARLY‑SIMPLIFIED‑Studie beteiligt. Die vom Universitätsspital Zürich geleitete Untersuchung prüft, ob Personen mit sehr frühem Therapiebeginn langfristig auf eine vereinfachte Ein‑Substanz‑Therapie mit Dolutegravir umgestellt werden können.
STAR-Studie
Im Rahmen der nationalen STAR‑Studie („STI Testing of Asymptomatics at Risk“) untersucht der Checkpoint Zürich das Auftreten sexuell übertragbarer Infektionen bei asymptomatischen Risikopersonen. Die Ergebnisse zeigen eine hohe Rate unentdeckter Infektionen und unterstreichen die Bedeutung niedrigschwelliger, regelmässiger Testangebote. Damit liefert die Studie wichtige Impulse für die Weiterentwicklung von Screeningstrategien und Versorgungsstandards.
2017
ZAH wird zur SeGZ
Mit der Umbenennung in Sexuelle Gesundheit Zürich (SeGZ) trägt die ehemalige Zürcher Aids-Hilfe ihrem erweiterten Auftrag Rechnung. Neben HIV rücken zunehmend auch andere sexuell übertragbare Infektionen sowie Fragen rund um sexuelle Gesundheit in den Fokus. Der neue Name steht für Aufklärung, Prävention und Beratung – breiter, inklusiver und zeitgemäss.
2018
TEST-IN
Im Februar 2010 eröffnet das TEST-IN. Vorbild ist der Checkpoint Zürich; es soll ein entsprechendes Angebot für heterosexuelle Menschen darstellen. Zweimal wöchentlich können sich damals Menschen auf Syphilis und HIV testen lassen. Inzwischen ist das TEST-IN eine inklusive Beratungs- und Teststelle. Neben HIV und Syphilis können sich Menschen auf Hepatitis C, Chlamydien und Gonorrhoe testen und zu allen gängigen STI beraten lassen.
2019
Checkpoint öffnet sich für alle
Der Checkpoint Zürich öffnet sein Angebot über die ursprüngliche Zielgruppe hinaus. Neu sind alle queeren Menschen sowie cis‑hetero Menschen willkommen. Damit trägt der Checkpoint dem wachsenden Bedürfnis nach diskriminierungsfreier sexueller Gesundheitsversorgung Rechnung – unabhängig von Identität oder Lebensstil.
SwissPrEPared
Das Jahr 2019 markiert einen Wendepunkt in der HIV‑Prävention in der Schweiz: Mit SwissPrEPared wird die Prä‑Expositions‑Prophylaxe (PrEP) erstmals im Rahmen eines national koordinierten Programms breit zugänglich und medizinisch begleitet verfügbar. Das Programm verbindet Versorgung und Forschung: Es gewährleistet eine strukturierte Betreuung von PrEP‑Nutzenden und erhebt gleichzeitig systematisch Daten zu Anwendung, HIV‑ und STI‑Inzidenzen sowie zu Veränderungen im Gesundheits‑ und Sexualverhalten. SwissPrEPared wurde vom Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention der Universität Zürich gemeinsam mit Kliniken, Checkpoints und Community‑Organisationen aufgebaut und etabliert erstmals einheitliche Qualitätsstandards für die PrEP‑Versorgung. Für den Checkpoint Zürich unterstreicht diese Entwicklung die seit 2015 geleistete Pionierarbeit im Bereich PrEP und markiert den Übergang von einer innovativen Einzelinitiative zu einer strukturierten nationalen Präventionsstrategie.
2020
SeGZ wird Poliklinik
Sexuelle Gesundheit Zürich erhält die offizielle Bewilligung als Poliklinik. Damit entsteht der rechtliche Rahmen für medizinische Leistungen – inklusive ärztlicher Betreuung, Testung und Behandlung im Bereich der sexuellen Gesundheit.

2021

Long‑acting injectables
Mit der Einführung von Long‑Acting Injectables wird ein neuer Meilenstein in der HIV‑Therapie erreicht: Statt täglicher Tabletten genügen Injektionen alle zwei Monate. Diese neue Behandlungsform erleichtert den Alltag, reduziert Stigmatisierung – und stärkt die Therapietreue.
Chemse Drug Checking im Checkpoint Zürich
Im Rahmen eines Pilotprojekts bietet der Checkpoint Zürich in Zusammenarbeit mit saferparty.ch ein anonymes und kostenloses Drug-Checking-Angebot für sexualisierten Substanzkonsum an. Jeden ersten Montag im Monat können Klient*innen ihre Substanzen testen lassen und erhalten gleichzeitig eine fachliche, wertfreie Beratung zu Konsum, Risiken und Sexualität. Das Angebot richtet sich gezielt an Menschen, die psychoaktive Substanzen im sexuellen Kontext nutzen, und ermöglicht einen niederschwelligen Zugang zu Information und Unterstützung.
Herrmann wird Sexwork
Aus dem Projekt Herrmann wird das Projekt Sexwork. Das Angebot richtet sich an cis Männer und trans Menschen in der Sexarbeit. Seit der Umbenennung bietet das Team kostenlose STI‑Tests direkt an der Langstrasse an. Mit dem «Night Café» erreicht das Team männliche und trans Sexarbeitende direkt in ihrem Arbeitsumfeld – seit 2022 auch mit PrEP‑Beratung in Zusammenarbeit mit SwissPrEPared der Universität Zürich. Ein gezieltes Angebot für Gruppen, die oft übersehen werden.
Studie zu Koinfektionen mit Chlamydien und Gonokokken
Der Checkpoint Zürich beteiligt sich als Studienzentrum an einer Untersuchung zur Wechselwirkung von Chlamydien‑ und Gonokokkeninfektionen. Ziel ist ein vertieftes Verständnis ihrer Bedeutung für Übertragbarkeit, Krankheitsverlauf und Therapie sowie die Weiterentwicklung diagnostischer Verfahren.

Studie: Real Risks of the Online World
Im Rahmen einer SwissPrEPared‑Substudie untersucht der Checkpoint Zürich den Zusammenhang zwischen intensiver Nutzung von Dating‑Apps, psychischer Gesundheit und sexuellem Risikoverhalten. Die Studie beleuchtet Online‑Dating erstmals als potenziellen Einflussfaktor in der HIV‑ und STI‑Prävention.
2022

Mpox
Der Mpox‑Ausbruch trifft insbesondere queere Menschen – begleitet von Unsicherheit, Angst und gesellschaftlicher Stigmatisierung. Schnell kursieren Schuldzuweisungen in Medien und Öffentlichkeit. Während andere Länder rasch Impfstrategien umsetzen, verzögert sich die Beschaffung des Impfstoffs in der Schweiz deutlich. In dieser Situation übernimmt der Checkpoint Zürich eine zentrale Rolle: Er diagnostiziert und behandelt den Grossteil der Mpox‑Fälle in der Schweiz, bietet Aufklärung, medizinische Versorgung und Impfangebote. So wird der Checkpoint zu einem verlässlichen Ort für Schutz, Information und Solidarität.
2023


Umzug in die Limmatstrasse
Die bisherigen Räume des Checkpoint Zürich an der Konradstrasse werden zu eng und entsprechen nicht mehr den Anforderungen. Im Mai 2023 zieht der Checkpoint in einen modernen Neubau an der Limmatstrasse um – mit fast 1000 m² Fläche, massgeschneidert auf die Bedürfnisse der Klient*innen. Der neue Standort bietet mehr Platz für medizinische Betreuung, HIV‑PrEP, STI‑Testung, Impfungen, psychologische Beratung sowie Peer‑Angebote. Als spezialisierte Anlaufstelle für queere Menschen und weitere Zielgruppen steht der Checkpoint für eine niederschwellige, respektvolle Gesundheitsversorgung – professionell, inklusiv und gut erreichbar.
B25
Seit dem 1. Juni 2023 können sich junge Menschen bis 25 Jahre sowie Stadtzürcher*innen mit KulturLegi kostenlos auf HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen testen und behandeln lassen – im Checkpoint Zürich und TEST‑IN. Das dreijährige Pilotprojekt «Gratistests STI» wird wissenschaftlich begleitet. Viele junge Menschen verzichten aus finanziellen Gründen auf notwendige Tests – das Gratistest‑Angebot schliesst genau diese Lücke. Es ermöglicht Frühdiagnosen, fördert verantwortungsbewusstes Verhalten und schützt langfristig die sexuelle Gesundheit. Indem es Menschen aller Geschlechter, Orientierungen und Bildungshintergründe erreicht, wirkt das Projekt sozial ausgleichend und trägt zur Senkung von Folgekosten im Gesundheitssystem bei.
Hausarztmedizin im Checkpoint
2024
VOGUE-Studie
2025
Krankenkassen übernehmen die PrEP
Ein grosser Meilenstein in der HIV-Prävention: Die Krankenkassen übernehmen neu die Kosten für Tests und Medikamente im Rahmen der PrEP (HIV-Prophylaxe). Damit wird der Zugang zu dieser hochwirksamen Schutzmethode erleichtert – besonders für Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko. Die Entscheidung stärkt die Prävention, entlastet Betroffene finanziell und trägt zur Eindämmung von HIV bei.
NAPS
Mit dem NAPS verfolgt die Schweiz seit 2024 einen umfassenden Ansatz zur Bekämpfung von HIV, viraler Hepatitis und anderen STI. Neu wird erstmals das Ziel gesetzt, Übertragungen von HIV und Hepatitis zu beenden. Auch strukturell ändert sich vieles: Statt der bisherigen drei Zielgruppenachsen setzt der NAPS auf fünf Handlungsfelder – von Überwachung und Information über niederschwellige Angebote bis hin zu chancengerechtem Zugang und guter Steuerung. Das ist ein Schritt hin zu integrierter, wirksamer Gesundheitsförderung.
UNITY‑Studie
In der internationalen UNITY‑Studie untersucht der Checkpoint Zürich die Wirksamkeit des antiviralen Medikaments Tecovirimat bei Mpox. Die Ergebnisse zeigen keinen zusätzlichen Nutzen gegenüber Placebo, liefern jedoch wertvolle Erkenntnisse für die klinische Praxis und die Weiterentwicklung zukünftiger Therapieansätze.
STI-Testing in Schaffhausen
Zur Umsetzung des nationalen Programms «Stopp HIV, Hepatitis B, Hepatitis C und andere sexuell übertragene Infektionen» führt der Checkpoint Zürich gemeinsam mit dem Gesundheitsamt des Kantons Schaffhausen monatlich ein niederschwelliges, mobiles Testangebot durch.
ExPrESSIVE-Studie
Der Checkpoint Zürich beteiligt sich als Studienzentrum an den internationalen ExPrESSIVE‑Studie zur HIV-Präexpositionsprophylaxe. Untersucht wird eine neue, einmal monatlich einzunehmende PrEP‑Tablette (MK‑8527) im Vergleich zur bisherigen täglichen Standardtherapie. Mit seiner Mitwirkung leistet der Checkpoint Zürich einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung innovativer und alltagstauglicher Präventionsangebote.
2026
Jubiäumsfeier
Am 21. November feiert Checkpoint Zürich sein 20-jähriges Bestehen – im Kraftwerk. Zwei Jahrzehnte Engagement für Prävention, Aufklärung, Beratung und Solidarität. Das Jubiläum würdigt die Geschichte, die erreichten Meilensteine und die Menschen, die sich für sexuelle Gesundheit und gegen Stigmatisierung einsetzen.
